NEF-Ausflug zur Jagsttalbahn

Hitze und strahlender Sonnenschein begleiteten die 16 Teilnehmer der NEF-Ticket-Tour am Samstag, den 15. April 2026.

Ihr Ziel war der Bahnhof Dörzbach im Hohenlohekreis, Endpunkt der ehemals 39,1 Kilometer langen, einst von Möckmühl im Landkreis Heilbronn ausgehenden eingleisigen „Jagsttalbahn“, deren Betrieb vor inzwischen 38 Jahren – konkret am 23. Dezember 1988 – wegen Oberbaumängeln eingestellt wurde.

642 162 mit 642 222 als RE 4387 nach Crailsheim wartet in Lauda auf Ausfahrt und wird die NEF-Teilnehmer gleich bis Bad Mergentheim bringen. Außer dem eingezäunten Bahnhofsgebäude erinnert heute nicht mehr viel an die alte Herrlichkeit zu Dampflokzeiten, als Lauda quasi Kultstatus unter Eisenbahnfreunden hatte.
Triebwagentreffen in Bad Mergentheim.642 162 mit 642 222 musste den Fahrgastausstieg aus 642 205 (Vollwerbung für Bahnland Bayern) mit 642 733 „Bayerischer Odenwald“ nach Aschaffenburg abwarten und erhält gleich Ausfahrt in Richtung Crailsheim.

Am 13. März 1901 wurde der Personenverkehr auf der mit 750 mm Spurweite betriebenen Schmalspurbahn aufgenommen. Nun wurde an zwei Wochenenden im April 2026 ganz groß das 125-jährige Jubiläum dieser förmlich nie stillgelegten Strecke gefeiert. Dabei konnten nicht nur die umfassenden Bemühungen durch den Verein „Jagsttalbahnfreunde e.V.“ zum Wiederaufbau der Dörzbacher Bahnanlagen bestaunt werden, sondern auch wieder ein inzwischen über ein Kilometer langes Streckenstück befahren werden. 

Erinnerung an den Rollbockverkehr auf der Jagsttalbahn mit Original-Radsätzen zur Darstellung des Funktionsprinzips.

Für die Bespannung des Museumszuges aus offenem Sommerwagen, Barwagen und originalem Postwagen wurde als Höhepunkt der Feierlichkeiten extra die Schlepptenderlok 99 4652 von der Insel Rügen nach Dörzbach transportiert. Diese ehemalige Heeresfeldbahnlok, auch bekannt als „Frank S.“ stand in den 1980er Jahren bereits beim „Öchsle“ (Ochsenhausen – Warthausen) und auch bei der „Jagsttalbahn“ im Einsatz. Heutiger Eigentümer ist der Landkreis Rügen, der die 1941 von Henschel gebaute Lok langfristig an den Förderverein „Rügensche Kleinbahn e.V.“ verpachtet hat und von der Preßnitztalbahn betrieben wird.

99 4652 als Gastlok in Dörzbach mit dem unermüdlich pendelnden Museumszug auf dem ca. 1,1 Kilometer langen wieder befahrenen Streckenabschnitt der Jagsttalbahn. Rechts steht einer vielen als Arbeitsvorrat im Freien abgestellten Fahrzeuge.

Die frühzeitig angekündigten Dampfzugfahrten mit der seit 2015 wieder betriebsfähigen Maschine übten eine verdientermaßen große Anziehungskraft aus. Lok und Personal leisteten bei hochsommerlichen Temperaturen Außergewöhnliches, pendelte der Museumszug doch unermüdlich hin und her. Die Verantwortlichen des Vereins „Jagsttalbahnfreunde e.V.“ konnten sich nicht nur über einen wahren Besucherandrang, sondern auch über insgesamt 4197 verkaufte Fahrkarten für die Bereisung des in mühsamer Arbeit wiederhergestellten Streckenabschnitts freuen.

„Frank S.“ beschildert als 99 4652 vor dem vorbildlich restaurierten Bahnhofsgebäude von Dörzbach anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Jagsttallbahn.

Dies mag hoffentlich auch anhaltende Motivation für den Verein sein, die vielfach äußerst zähen Bemühungen zur Streckensanierung fortzusetzen – mit Zielstrebigkeit, Ausdauer, Verhandlungsgeschick sowie engagierten Mitgliedern und Förderern. Denn es gibt auch Widerstände: Anliegergemeinden wie Schöntal, Krautheim und Widdern wehren sich gegen eine Wiederinbetriebnahme und lehnen damit in weiten Teilen auch die finanzielle Beteiligung an der Streckensanierung ab. Ungeachtet des sich bietenden touristischen Potenzials zeigen diverse Bürgerbegehren auch eine in Teilen ablehnende Haltung der Bevölkerung in den Anliegergemeinden.

Blick von der Bahnsteigseite auf das liebevoll restaurierte Bahnhofsgebäude von Dörzbach, Endpunkt der Jagsttalbahn.

Gleichwohl belegten die Jubiläumsfeierlichkeiten, dass der Verein „Jagsttalfreunde e.V.“ zurecht stolz sein kann auf das in zäher Kleinarbeit bisher Erreichte. So zeigt sich das Dörzbacher Bahnhofsgebäude samt originalem Fahrkartenschalter in liebevoll und authentisch restauriertem Zustand, der Schuppen ist samt seiner technischen Einrichtung bestens instandgesetzt. Auch die originale ex SWEG Diesellokomotive 22-02 ist betriebsbereit und konnte ebenso wie der nicht fahrfähige ex SWEG Triebwagen VT 303 (noch mit alter „Bahnladen-Werbung“), Lokschuppen und Werkstatt besichtigt werden. An diversen Infoständen warben die beteiligten Aussteller für ihre Aktivitäten, verkauften Souvenirs, Jubiläumsschriften, Bahnliteratur und Fotos. Und schließlich bot auch das Festzelt neben Speis und Trank begehrte schattige Sitzplätze.

Portrait der betriebsfähigen ex SWEG Diesellok 22-02, die heute noch Zeugnis von den Alltagseinsätzen früherer Jahre ablegt.
Vor dem Schuppen steht der nicht betriebsfähige VT 303, der an längst vergangene Zeiten des Personenverkehrs auf der 750 mm Schmalspurstrecke Möckmühl – Dörzbach erinnert.
Blick in den Innenraum des ex SWEG VT 303, bei dem sich sehr gut die Entwicklungen in Bezug auf Reisenden-Komfort ablesen lassen.
Sinngemäß das Gleiche offenbart das spartanische Armaturenbrett des VT 303.

Gegen 16:00 Uhr begann für die Nürnberger Eisenbahnfreunde dann die Rückreise nach Nürnberg, wieder auf selber Wegstrecke wie am Morgen. Zunächst ging es mit Buslinie 19 zum Bahnhof Bad Mergentheim, von dort mit RE 4392 (DBAG BR 642) nach Lauda, nach Umstieg im RE 19074 (ARVERIO BR 6442) weiter bis Würzburg Hbf. Die letzte Etappe nach Nürnberg Hbf übernahm RE 58227 (DBAG BR 440). Hier fand ein interessanter und kurzweiliger Tagesausflug zu einem  zumindest in Teilen –verbliebenen Kleinod württembergischer Schmalspur Eisenbahn um 18:55 Uhr seinen fahrplanmäßigen (und pünktlichen) Ausklang.

In Bad Mergentheim entstand vor der Rückreise dieses Gruppenfoto mit einem Teil der NEF-Reiseteilnehmer.
Mit 6442 423 der ARVERIO wurde der RE 19074 (Stuttgart Hbf. – Würzburg Hbf.) abweichend vom üblichen Fahrzeugpark mit einem „Exoten“ gefahren.

alle Aufnahmen: Ferdinand von Rüden

 

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