Hitze und strahlender Sonnenschein begleiteten die 16 Teilnehmer der NEF-Ticket-Tour am Samstag, den 15. April 2026.
Ihr Ziel war der Bahnhof Dörzbach im Hohenlohekreis, Endpunkt der ehemals 39,1 Kilometer langen, einst von Möckmühl im Landkreis Heilbronn ausgehenden eingleisigen „Jagsttalbahn“, deren Betrieb vor inzwischen 38 Jahren – konkret am 23. Dezember 1988 – wegen Oberbaumängeln eingestellt wurde.


Am 13. März 1901 wurde der Personenverkehr auf der mit 750 mm Spurweite betriebenen Schmalspurbahn aufgenommen. Nun wurde an zwei Wochenenden im April 2026 ganz groß das 125-jährige Jubiläum dieser förmlich nie stillgelegten Strecke gefeiert. Dabei konnten nicht nur die umfassenden Bemühungen durch den Verein „Jagsttalbahnfreunde e.V.“ zum Wiederaufbau der Dörzbacher Bahnanlagen bestaunt werden, sondern auch wieder ein inzwischen über ein Kilometer langes Streckenstück befahren werden.

Für die Bespannung des Museumszuges aus offenem Sommerwagen, Barwagen und originalem Postwagen wurde als Höhepunkt der Feierlichkeiten extra die Schlepptenderlok 99 4652 von der Insel Rügen nach Dörzbach transportiert. Diese ehemalige Heeresfeldbahnlok, auch bekannt als „Frank S.“ stand in den 1980er Jahren bereits beim „Öchsle“ (Ochsenhausen – Warthausen) und auch bei der „Jagsttalbahn“ im Einsatz. Heutiger Eigentümer ist der Landkreis Rügen, der die 1941 von Henschel gebaute Lok langfristig an den Förderverein „Rügensche Kleinbahn e.V.“ verpachtet hat und von der Preßnitztalbahn betrieben wird.

Die frühzeitig angekündigten Dampfzugfahrten mit der seit 2015 wieder betriebsfähigen Maschine übten eine verdientermaßen große Anziehungskraft aus. Lok und Personal leisteten bei hochsommerlichen Temperaturen Außergewöhnliches, pendelte der Museumszug doch unermüdlich hin und her. Die Verantwortlichen des Vereins „Jagsttalbahnfreunde e.V.“ konnten sich nicht nur über einen wahren Besucherandrang, sondern auch über insgesamt 4197 verkaufte Fahrkarten für die Bereisung des in mühsamer Arbeit wiederhergestellten Streckenabschnitts freuen.

Dies mag hoffentlich auch anhaltende Motivation für den Verein sein, die vielfach äußerst zähen Bemühungen zur Streckensanierung fortzusetzen – mit Zielstrebigkeit, Ausdauer, Verhandlungsgeschick sowie engagierten Mitgliedern und Förderern. Denn es gibt auch Widerstände: Anliegergemeinden wie Schöntal, Krautheim und Widdern wehren sich gegen eine Wiederinbetriebnahme und lehnen damit in weiten Teilen auch die finanzielle Beteiligung an der Streckensanierung ab. Ungeachtet des sich bietenden touristischen Potenzials zeigen diverse Bürgerbegehren auch eine in Teilen ablehnende Haltung der Bevölkerung in den Anliegergemeinden.

Gleichwohl belegten die Jubiläumsfeierlichkeiten, dass der Verein „Jagsttalfreunde e.V.“ zurecht stolz sein kann auf das in zäher Kleinarbeit bisher Erreichte. So zeigt sich das Dörzbacher Bahnhofsgebäude samt originalem Fahrkartenschalter in liebevoll und authentisch restauriertem Zustand, der Schuppen ist samt seiner technischen Einrichtung bestens instandgesetzt. Auch die originale ex SWEG Diesellokomotive 22-02 ist betriebsbereit und konnte ebenso wie der nicht fahrfähige ex SWEG Triebwagen VT 303 (noch mit alter „Bahnladen-Werbung“), Lokschuppen und Werkstatt besichtigt werden. An diversen Infoständen warben die beteiligten Aussteller für ihre Aktivitäten, verkauften Souvenirs, Jubiläumsschriften, Bahnliteratur und Fotos. Und schließlich bot auch das Festzelt neben Speis und Trank begehrte schattige Sitzplätze.




Gegen 16:00 Uhr begann für die Nürnberger Eisenbahnfreunde dann die Rückreise nach Nürnberg, wieder auf selber Wegstrecke wie am Morgen. Zunächst ging es mit Buslinie 19 zum Bahnhof Bad Mergentheim, von dort mit RE 4392 (DBAG BR 642) nach Lauda, nach Umstieg im RE 19074 (ARVERIO BR 6442) weiter bis Würzburg Hbf. Die letzte Etappe nach Nürnberg Hbf übernahm RE 58227 (DBAG BR 440). Hier fand ein interessanter und kurzweiliger Tagesausflug zu einem – zumindest in Teilen –verbliebenen Kleinod württembergischer Schmalspur Eisenbahn um 18:55 Uhr seinen fahrplanmäßigen (und pünktlichen) Ausklang.


alle Aufnahmen: Ferdinand von Rüden ![]()
… es war ein sehr schöner Ausflug … lieber Ferdinand – vielen Dank für Deinen Bericht …