Was hat Bosnien-Herzegowina mit der Wendelsteinbahn zu tun?
Wie ein couragierter Unternehmer mit großem Mut seine neue Heimat in die Zukunft brachte.

Otto Steinbeiß war eigentlich Badener und am 07. 10. 1839 in Bachzimmern bei Donaueschingen geboren. Nach dem Abitur 1859 absolvierte er seinen Militärdienst beim 8. Infanterieregiment in Ludwigsburg. Im Anschluß nahm er das Ingenieurstudium an der École des Mines in Paris auf.
1863 übernahm er mit weiteren Teilhabern die Herrschaft Brannenburg zum Zwecke der Holzgewinnung und dem Handel mit den daraus gefertigten Produkten wie Eisenbahnschwellen, Telegraphenstangen. Folgerichtig wurde er als Protestant im tiefkatholischen Voralpenland 1864 bayrischer Staatsbürger.
Frühzeitig setzte er auf die aufkommende Elektrizitität. So hatte Otto Steinbeis bei Rosenheim eine Salinsäge gepachtet; als Kommanditist von „Schuckert & Co.“ ließ er 1883 von Sigmund Schuckert eine Schleppbahn vom Rosenheimer Bahnhof dorthin bauen. Diese Bahn stellt eine der ersten elektrischen Eisenbahnen in Deutschland dar.
Mittlerweile bayrischer Kommerzienrat, wurde die K.u.K-Monarchie auf ihn aufmerksam. Der Finanzminister Benjámin von Kállay / Béni Kállay de Nagy-Kálló schloß für die Doppelmonarchie im Jahre 1892 mit dem damals 53-jährigen Steinbeis einen Vertrag über die Exploitation eines 45.000 Hektar großen Waldgebietes im nordwestlichen Bosnien. Steinbeis ging das mit dem ihm eigenen Schwung und eigenem Kapital Stück für Stück an.
Neben der industriellen Ausbeutung, die bei einem hohen Kapitaleinsatz sehr ansehnliche Gewinne brachte, kamen interessanterweise die sozialen Errungenschaften für die im Konzern beschäftigten Arbeiter nicht zu kurz. So wurden Schulen, Wohnhäuser und auch ein Krankenhaus für die bei der BFIAG (Bosnische Forstindustrie Aktiengesellschaft Otto Steinbeis) beschäftigten Arbeiter und deren Familien errichtet; Einrichtungen, die es in diesem Teil Bosniens bis zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben hatte.
Auch wurden die eingeschlagenen Flächen sofort wieder aufgeforstet, so dass bereits damals von einer nachhaltigen Betriebsweise gesprochen werden kann.
Otto Steinbeis errichtete in Bosnien rund 450 km Schmalspurbahnen für die Holzabfuhr, die den Hauptstrecken zuzurechnen sind; dazu kommen noch etliche 100 km Feinverteilung geringeren Standards in die Seitentäler für die Erschließung der Einschlagstellen.
Der Gewinn der Steinbeis-Unternehmungen betrug trotz der sehr hohen Ausgaben für die Infrastruktur ab der Jahrhundertwende etwa 20 Millionen Kronen pro Jahr, das wären nach heutigem Geldwert über den Goldpreis gerechnet etwa ein halbe Milliarde Euro pro Jahr. Da das Unternehmen aus sich selbst heraus gewachsen war, gab es keine Zinszahlungen an Banken und damit keine Finanzierung leistungsloser Banken.
Das verdiente Geld konnte nun in der Heimat Brannenburg investiert werden. Ob wahr oder nicht, auf alle Fälle gut erzählt, der Spruch Otto von Steinbeis, Wendelsteinbahn, das Hotel und das Elektrizitätswerk wären aus der linken Westentasche bezahlt worden. Immerhin 4,5 Millionen Goldmark.
Nun wird es an der Zeit, das in unserem Land erhaltene Werk von Otto von Steinbeis zu bereisen.

Leider hat man es geschafft, dass die Wendelsteinbahn nicht mehr zum Bahnhof von Brannenburg fährt. Die Trasse ist noch weitestgehend vorhanden, der Spaziergang ist schön. Irgendwann kommt man schon am neuen Bahnhof an.

Gleich um die Ecke ist die Zufahrt in den Betriebshof, der jedoch sehr schlecht von außen zu beäugen ist.
Auf alle Fälle ist noch einer der Ursprungseinheiten von 1912 vorhanden, die andere steht in der Lokwelt Freilassing.

Die Strecke verläuft im unteren Teil sehr schön durch den Wald, eine Route, die sich auch gut zum Wandern eignet. Im Vordergrund die Zufahrt zur Remise.



Der Bergbahnhof ist wie so oft in ein Bauwerk eingebunden, das Hotel wurde mit der Bahn gebaut.


Ein bekanntes Motiv ist das Wendelsteinkirchlein, das jedoch an dem Tag leider geschlossen war.

Verwendete Quellen:
– Brand 1: https://www.brandeins.de/corporate-services-alt/archiv/b-o-city-of-wood/zug-der-zeit
– https://www.deutsche-biographie.de/gnd13752272X.html#ndbcontent
– Die Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina 1867 – 1918 (Werner Schiendl)![]()