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Für die 289. Exkursion am 6. Oktober
2001 lautete diesmal das Fahrziel Plauen, um die Parkeisenbahn
Syratal und das Gesamtnetz der Plauener Straßenbahn
zu befahren, wofür sich 55 Eisenbahnfreunde angemeldet
hatten. Für die Hinfahrt hatte man den ICE 1565
Georgius Agricola, was auf deutsch Bauer
Bauer heißt, erwählt, da erfahrungsgemäß
die IREs um diese Zeit immer recht überfüllt
sind.
von Werner Schüssel
Es handelte sich um den 605 004/104/204/504,
der zusätzlich den unbesetzten 605 013 ff.
mit überführte. Leider führt dieser Kurs,
in Nürnberg ab um 6.37 Uhr, nicht über die
Schlömener Kurve, sondern über Marktredwitz.
Unsere reservierten Plätze waren im ersten Wagen,
aber viele begaben sich gleich in das Abteil hinter
dem Führerstand, das nach Tagesanbruch und Auflösen
der Nebel gute Streckensicht erlaubte. Die Fahrt ging
zunächst reibungslos vonstatten, bis etwa 5 km
vor Plauen plötzlich aus unerfindlichen Gründen
eine Schnellbremsung eingeleitet wurde. Der Lokführer
wurde nun sehr aktiv, und mit dem Handy in der einen
und dem Zugbahnfunk in der anderen Hand holte er sich
bei den Experten Ratschläge ein. Nach einiger Zeit
kam der Zug wieder ins Rollen und erreichte schließlich
mit 20-minütiger Verspätung Plauen ob. Bahnhof.
Ein kurzer Fußmarsch führte
ins Syratal hinab zur dortigen Parkeisenbahn. Diese
Bahn wurde am 7. Oktober 1959 als Pioniereisenbahn
eröffnet und nach der Wende umbenannt. Sie hat
bei 1 km Länge 600 mm Spurweite und ist
als einzige solche Bahn elektrifiziert, sie fährt
mit 220 V Gleichstrom, die Fahrleitung ist straßenbahnähnlich.
Es stehen 3 betriebsfähige BoBo-Lokomotiven
zur Verfügung, die Metallist von 1959 mit 2 x 2,5 kW
und die beiden Tandems 001 und 002 aus dem Jahr
1994 mit je 4 x 6,5 kW, alle aus ehemaligen Grubenloks
der Wismut entstanden. Die Metallist ist jetzt Arbeitslok,
da dadurch aufwändige Prüfungen durch das
EBA vermieden werden können. Zur Reserve sind noch
weitere Grubenloks und Motoren der Wismut vorhanden,
die, nach dem bisherigen Verschleiß zu urteilen,
noch für 100 Jahre ausreichen. Die Passagiere werden
in drei Personenwagen von je 1530 kg Masse und
530 cm Länge befördert, die zusammen
bis zu 40 Erwachsene fassen können. Jährlich
nutzen etwa 30000 Personen die Bahn.
Bei unserer Ankunft wurden wir von den
Mitarbeitern der Bahn empfangen und anschließend
in zwei Gruppen zweimal auf der Strecke durch das taufeuchte
Gras befördert. Dabei wurde auch auf einer mit
Hilfe mehrerer Sponsoren neugebauten Brücke die
Syra überquert. Ein Zwischenaufenthalt gestattete
die Besichtigung und das Fotografieren des Lokschuppens
und aller Fahrzeuge. Der Besuch endete mit dem viertelstündigen
Anstieg zum oberen Bahnhof.
Pünktlich um 10.20 Uhr rollten
dort die historischen Triebwagen 51 und 215 der Plauener
Straßenbahn (PSB) heran. Ersterer erinnert sehr
an die ehemaligen 700er der Nürnberger Straßenbahn,
handelt es sich doch um einen MAN-Wagen aus dem Jahr
1928 aus Nürnberg, dessen Farbgebung unten grün
und oben weiß der Nürnberger sehr ähnlich
ist. Er ist 9420 mm lang und hat 2 x 34 kW
Antriebsleistung, die aus der 600 V-Fahrleitung
bezogen wird. Natürlich fährt er auf der Plauener
Spurweite von 1000 mm. Der Triebwagen 215 ist ein
ein vierachsiger Tatra-Gelenk-Einrichtungswagen vom
Typ KT4D, der als einziger Plauener noch über Beschleuniger
(=Widerstände) gesteuert wird. Bevor der erste
Teil der Streckenbereisung begann, begrüßte
der 1. Vorstand des Traditionsvereins der Plauener
Straßenbahn, Herr Seidel, alle Angereisten und
gab Erläuterungen zum weiteren Programmablauf.
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Nachdem sich (fast) alle Teilnehmer
auf beide Fahrzeuge verteilt hatten, wurde zunächst
ein Teilstück der Linie 6 vom Oberen
Bahnhof über den Tunnel bis zur neuen Elsterbrücke
befahren. Flussabwärts steht noch die alte
Elsterbrücke aus dem Mittelalter in der Bauweise
wie die Regensburger Donaubrücke. Der Tunnel
ist dagegen ein größerer Platz mit
Gleisdreieck, unter dem die Syra in einem Tunnel
hindurchfließt. Von der Elsterbrücke
bis zur Südvorstadt nutzte man die Gleise
der Linie 5.
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Im Bahnhof Syratal besichtigte
Werner Schüssel den interessanten Fahrzeugpark
der Parkeisenbahn
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Wieder zurück zur Elsterbrücke
wurde nun der Rest der Linie 6 bis zum Waldfrieden
befahren, unterbrochen von einem Fotohalt an der Panoramakurve
Festhalle, wo ein schöner Blick auf Plauen möglich
ist. Dieser Teil der Linie 6 und auch der 3 führt
durch eine größere Plattenbausiedlung. An
der Endhaltestelle traf auch der Bier-Triebwagen 78
ein. Den Gotha-Wagen aus dem Jahr 1962 hatte eine andere
Gruppe gemietet. Nun ging es quer durch die Stadt am
Tunnel vorbei bis zur Endhaltstelle Plamag (= Plauener
Maschinenfabrik AG, zur MAN gehörend) der Linien
1 und 4 mit Fotohalt.
Zum Mittagessen kehrten dann unsere
beiden Triebwagen zum Tunnel zurück, von wo aus
ein kurzer Weg in das Hotel am Theater führte,
in dem Schweinebraten mit Semmelknödeln und Sauerkraut
serviert wurde, eine ungewohnte Kombination, die aber
gar nicht schlecht geschmeckt hat.
Nach dem Essen war Gelegenheit, die
Betriebsleitstelle der PSB am Tunnel zu besuchen. Auf
drei Bildschirmen kann dort genau der momentane Standort
sowie die Einhaltung des Fahrplans jedes eingesetzten
Fahrzeuges festgestellt und durch Funk Verbindung mit
den Fahrern aufgenommen werden. Die Anlage stammt von
Siemens.
Anschließend startete der zweite
Teil der Stadtrundfahrt, wozu neben dem Wagen 215
nun der Triebwagen 21 eingesetzt wurde. Das ist
ebenfalls ein MAN-Wagen, aber aus dem Jahr 1905, mit
offenen Plattformen und Lyrabügel. In seinem Originalzustand
befindet er sich allerdings erst wieder seit 1975.
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Am Tunnel zweigte Triebwagen
21 vor dem Triebwagen 215 ab. Werner Schüssel
drückte für uns auf den Auslöser.
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Es wurde der westliche Ast
der Linien 1, 2 und 3 bis Neundorf
befahren und dann der nördliche Ast der Linie 5
nach Preißelpöhl. Die dortige Endschleife
zieht sich mehrere hundert Meter um einige Häuserblocks
herum. Auf dem folgenden südöstlichen
Ast der Linie 4 waren umfangreiche Gleiserneuerungen
bei laufendem Betrieb im Gange, ehe man zum Abschluss
die kurze Strecke zum Betriebshof Wiesenstraße
beim unteren Bahnhof zurücklegte. Auf diesem
zweiten Teil der Rund- fahrt fielen auch zwei
Herren auf, die niemand kannte. Es stellte
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sich heraus, dass es zwei Schwarzfahrer
und zugleich Schwarzesser waren, denn sie hatten auch
am Mittagessen teilgenommen, ohne angemeldet zu sein.
Unser zweiter Vorstand kassierte daraufhin das Essen,
das sie unter Murren bezahlten, und verwies sie dann
aus dem Wagen.
Unter fachkundiger Leitung sah man im
Betriebshof mehrere KT4DM, die am Wochenende nicht im
Einsatz waren, die Arbeitstriebwagen 0202 ex 202
und 64, einen Gotha T 57 und die Museumstriebwagen
Nr. 72 (Gotha T 57), Nr. 79 (Gotha T 2-64)
und BW 28 (Gotha B-64). Die letzten beiden warten
noch auf ihre Aufarbeitung, stehen aber unter Dach und
sind keinesfalls verrottet. Im Freien stand noch der
Tatra-209 als Ersatzteilspender.
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Unter der Woche werden von den
40 modernisierten KT4DM (M = modernisiert, d.
h. Chopper- steuerung und neue Drehgestelle) 6
Doppel- und 21 Einzelzüge eingesetzt, am
Wochenende 10 Doppel- und 4 Einzelzüge.
Die sechs Linien haben eine Länge 33,7 km,
die Streckenlänge beträgt 17,5 km
und die Gleis- länge 38,1 km nach dem
Stand von 1995. Alle Strecken sind zweigleisig,
die Gleise befinden sich in einwandfreiem Zustand.
Nicht ohne Stolz berichteten unsere Begleiter,
dass die Plau- ener Straßenbahn selbst zu
DDR-Zeiten in gepflegtem Zustand war.
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Am Bahnhof wendete der
Triebwagen 51. Werner Schüssel stand
mit seinem Fotoapparat dabei und hielt die
Szene für die Nachwelt fest.
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Zum oberen Bahnhof brachten uns der
Triebwagen 215 und ein modernisierter Tatra, damit wir
den Unterschied feststellen konnten. Ein wesentlicher
Vorteil, der jedoch vom Fahrgast nicht zu bemerken ist:
Die Choppersteuerung spart etwa 30% an elektrischer
Energie.
Bis zur Abfahrt des IRE 3763, bestehend
aus 612 059/559 und 612 075/575, nach Nürnberg
war noch Zeit, den neuen stählernen Aussichtsturm
auf dem Bärenstein zu besteigen, von dem sich bei
schönem herbstlichen Wetter eine gute Übersicht
über die Stadt und das Umland bot. Mit geringer
Verspätung, die der in Schnabelwaid unseren Fahrweg
kreuzende ICE verursacht hatte, erreichten wir wieder
Nürnberg.
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