Zwischen zwei Zügen

Schlag ihn tot, den Hund, ...

... es ist ein Rezensent, ärgerte sich bereits Johann Wolfgang von Goethe. Gefährlich leben sie, die Herren Kritiker. Alles besser wissend, belehrend und das letzte Wort habend, verärgern sie den Autor. Der missverstandene Schöpfer auf der einen Seite und auf der anderen der Leser, der das Werk des Schreibers ernst nimmt, es durcharbeitet, aber kritisch ist und Fehler feststellt.

von Christoph Kretschmer

Sich erlaubt, sie zu äußern und dies dann noch in einer Rezension, geschehen im letzten NEF-EXPRESS (3/2002, S.49) bei einer Besprechung des Buches „Wendezüge“ von Erich Preuß. Ein aufgeregter Autor antwortet „ich verstoße gegen den alten Grundsatz, auf eine Rezension nicht zu reagieren, obendrein bei dem Umstand, dass Ihr Blättchen keine Verbreitung hat“. Aber wenn es seiner Meinung nach eh’ keiner liest, warum dann so verspannt? Goethe war da cooler, der verstieß nicht, sondern stieß zu, siehe oben. Aber, keine Sorge, wir haben die Lektion gelernt, zum einen, dass Sie unsere Kritik nicht widerlegen können, zum anderen, dass wir ein Blättchen machen, das eh’ keiner liest, wir polemisch sind, Halbwissen haben und zu einer bestimmten Sorte Fuzzis gehören, im Besitz der Wahrheit sind, uns aber Kompetenz fehlt. Wir keine Fachleute seien, Sie aber zugeben, Vorurteile zu haben. Aber hallo, Herr Autor, wir wiederholen uns, eigentlich halten wir Sie ja für sattelfest.

Aus dem Sattel zu steigen, hat er ja wirklich nicht vor, unser Reise-Müller, aber diesmal hat er der Jugend den Vortritt gegeben, denn vorlaut haben sie sich schon zu Beginn des Jahres nach vorne gedrängt. Die „Kids“ wollten eine Tagesfahrt organisieren. Sie haben sich mächtig angestrengt und erfahren, was da alles zu bedenken ist. Aber, wie sie uns versprechen: es wird eine tolle Fahrt zu einem ungewöhnlich günstigen Preis. Deshalb: Kommen Sie am 19. Oktober mit auf die Schwäbische Alb, von Amstetten geht es mit Diesel nach Gerstetten und auf der Schmalspur mit Dampf nach Oppingen. Schnell anmelden!

Deutlich weniger Anmeldungen hatten wir bei unseren Mehrtagesfahrten in diesem Jahr. Während wir bei der Dänemark-Fahrt dann noch die Mindestteilnehmerzahl erreichten, waren wir bei unserer für den September geplanten Tschechien-Fahrt weit unterm Soll. Wir mussten erstmals eine Mehrtagesfahrt absagen, zum zweiten Mal überhaupt eine Exkursion – zum zweiten Mal Tschechien. Wir bedauern dies sehr und betreiben natürlich Ursachenforschung. War es der stolze Preis (zwischenzeitlich langen auch die östlichen Länder kräftig hin), war es das Programm oder das Ziel? Vielleicht wirkt sich auch die allgemeine konjunkturelle Delle aus, nicht umsonst klagen auch Reisebüros über drastische Rückgänge im zweistelligen Bereich. Wir erfahren gerne Ihre Meinungen und Wünsche, denn immerhin war in der großen Reiseteilnehmerbefragung im Jahr 2001 Tschechien unter den favorisierten Zielen.

Im Halbjahresbericht 2002 spricht die Deutsche Bahn AG von schwacher Konjunktur und allgemeiner Reisezurückhaltung. Nun müssen zusätzlich die mehr als eine Milliarde verschlingenden Hochwasserschäden bewältigt werden. Hoffen wir, dass dies nicht zu einer neuen Stilllegungswelle führen wird und hoffen wir auch, dass die neue Preisgestaltung ab 15. Dezember 2002 nicht zu einer Verunsicherung der Bahnreisenden führen wird. Die Bahn ist da optimistisch und erhofft sich ein Umsatzplus von 100 Millionen Euro.

Wir erhoffen uns 100% Lesefreude mit unserem neuen „Blättchen“ und wünschen Ihnen einen goldenen Herbst.


NEF-EXPRESS 4/2002

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